Alljährlich kommen Tausende und aber Tausende auf das Heidelberger Schloß, um sich an der Schönheit der Ruine zu erfreuen oder den prächtigen Blick auf Heidelberg und die Rheinebene zu genießen. Mancher der vielen Besucher nimmt an einer Führung durch die Gebäude des Schlosses teil, aber wohl alle steigen in das Innere des Faßbaues hinab. In seinem Kellergewölbe liegt das weltberühmte Große Faß. Das jetzige Riesenfaß ist nicht das erste seiner Art. Es hatte zwei Vorgänger, die in Kriegszeiten zerstört wurden. Kurfürst Karl Theodor ließ 1751 das noch erhaltene Faß erbauen. 221.726 Liter faßt es in seiner ungeheuren Höhlung. Eine Weinleitung führte von ihm nach dem Festsaal im obern Teil des Gebäudes. Aber es war wohl nie mit dem guten Pfälzerwein gefüllt. In sein Inneres wurden bei Festlichkeiten immer kleine Fässer hineingestellt. Kurfürst Karl Philipp bestellte seinen Hofnarren, den Zwerg Clemens Perkeo zum Wächter des Großen Fasses. Auf einer Reise durch Tirol hatte er ihn kennen gelernt und Gefallen an seinem kleinen Wuchs und seinem schlagfertigen Witz gefunden. Als der Kurfürst den Kleinen auf seine Trinkfestigkeit geprüft hatte, sagte er zu ihm: "Komm mit mir nach Heidelberg. Ich ernenne dich zum Ritter und Kammerherrn des Faßkönigs. In meinem Schloßkeller liegt das größte Faß der Welt. Wenn du es austrinkst, so soll Stadt und Schloß dein sein. "Perche no" (Warum auch nicht), antwortete der Knirps. Da lachte der Kurfürst und sagte: "Du sollst Perkeo heißen."

In Heidelberg ließ ihm der Kurfürst eine farbige Uniform machen, steckte ihm einen großen Orden an und hängte ihm einen riesigen Kellerschlüssel an die Seite. Perkeo erfreute den ganzen Hofstaat und die Bürger der Stadt durch seine Spaße. Schon zu seinen Lebzeiten wurde ihm ein Denkmal errichtet, das er selbst entworfen und angefertigt hatte. Heute steht es an der Wand neben dem Faß, und dabei hängt seine geheimnisvolle Uhr. Zieht nur am Ring, dann könnt ihr das kunstvolle Werk betrachten!

Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloß,
An Wüchse klein und winzig, an Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut',
Wärt' Ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut!

Heute wohnen keine Kurfürsten mehr auf dem Schloß, und die Weinbauern müssen keinen Zehntwein mehr dorthin führen. Auch die Faßdauben sind nicht mehr abgedichtet, und kein Tropfen des köstlichen Rebensaftes wird mehr ausgeschenkt

Warum is's Heidelberger Faß
dann so lodderleer?
"Ei weil der Wein getrunke is,
wo käm des annerscht her?"

 

Aus: Reinhard Hoppe: Heimat um Heidelberg