Der Hexenbiss

Nach einer langen und gerechten Herrschaft lag der Schlossherr im sterben und schickte sich an seiner Frau und seinem Kinde, die vor vielen Jahren im Kindesbett verstarben zu folgen. Diesen Verlust konnte der Kurfürst nie verschmerzen und blieb seitdem alleine. Zum Zeichen seiner Trauer trug er täglich nur dunkles Tuch und führte ein karges und arbeitsreiches Leben um dem Schmerz und dem Verlust zu entgehen.

Nun da sein Leben dem Ende entgegen ging und er keine Nachkommen hatte, machte er sich an die letzte seiner Aufgabe. Es hieß nun Schloß und Volk in die Hände eines starken und ehrlichen Nachfolgers zu übergeben. Wer aber konnte würdiger und stärker sein, als der Sieger eines ehrlichen Wettkampfes unter den Freien und Ehrlichen der Kurpfalz. Der Preis den es zu erringen gab war hoch, aber auch die Aufgabe.

Derjenige, so die Aufgabe des Schlossherrn, der den Ring an der Schlosstür durchbeißen kann, wird der nächste König. Im stillen dachte der Schlossherr, wer sich an dieser Aufgabe nicht die Zähne ausbeißt, der hat auch im Leben bestand.

Viele versuchten sich an dieser Aufgabe, doch alle bissen sich die Zähne aus. Da versuchte es eine Hexe. Sie hatte starke Hexenzähne und war der Meinung, dass es ein leichtes sei den Ring zu durchbeißen. Sie hätte es auch fast geschafft, aber dann im letzten Moment versagten Ihre Zähne den Dienst und zerbarsten in Stücke.

Die Kurpfälzer waren froh, dass die böse Hexe nicht an die Macht gekommen war. Und bis heute noch kann man den Ring am Schlosstor mit dem tiefen Riss und dem Abdruck eines Zahns sehen. Und immer noch geht die Sage um:

“Wer den Eisenring am Torturm durchbeißen kann, bekommt das Schloss geschenkt”.

Erzählt von Daniel Häberle