Die erste Zerstörung 1689

Der Chronist berichtet....

Am Mittwoch, den 2. März 1689, morgens um 5 Uhr hat sich die Schloßgarnison bei 900 Mann stark auf dem inneren Schloßhof mit Sack und Pack versammelt und zum Abmarsch bereit gehalten. Um 6 Uhr sind aus dem Apothekerturm mit einem 3 pfündigen Stücklein 3 Schuß getan.

Um ½ 7 Uhr ist ein französischer Artillerie-Commissarius namens Bellevet mit einem französischen Constabel und des herrschaftlichen Pulvermachers Sohn in den unteren Boden oder Stockwerk des Zeughauses gangen, hernach von den aufgehängten Pechkränzen 200 Stück mit Stangen herabgenommen.

Darauf gedachter Commissarius, Constable und Pulvermachers Sohn wieder aus dem Zeughaus gangen und zu ihnen noch ein anderer Constabel mit Stroh herbeigelossen, welcher solches samt einigen Pechkränzen zuerst in die Zeugschlosserei nechst am Brückenturm, hernach in den Bau daran, worin vormals der Garnison Wachstub gewesen, eingelegt;

Nach diesem hat gedachter Artillerie-Commissarius vom churpfälzischen Hausschneider die Öffnung der Gemächer im Schloß begehrt, welche aber ohnedem vorher (weil die Garnison fast in allen Gemächern logiert gewesen) offen waren, und ist darauf der Commissarius mit seinen Leuten, zuerst in den Bau, worin die Hofschneiderei und Hofdeckerei gewesen, gangen und selbigen angezündet, von da sofort die anderen Gebäude angesteckt,

Hernach und zuletzt sind die übrigen Pechkränze im Zeughaus, das bis auf einige alte Granaten und Feuerpotten ausgeleert war, angesteckt worden und ist solchergestalt in einer halben Stund das uralte in und außer Teutschland berühmte und magnifique ganze Churfürstliche Residenzschloß in vollen Flammen gestanden, welches von Angst und Schrecken consternierten Inwohnern ein ohrenbeschreiblich grausames Spektakel gewesen.

Die Garnison ist hiernach bei völligem Brand des Schlosses in dessen innerem Schloßhof stehen blieben, bis der Dachstuhl von dem Bau nächst dem Brückenturm, wodurch die Einfahrt in das Schloß ist eingefallen.

Nach solchem ist ein Theil von der franz. Garnison eylendts aus dem Schloßhof den Fahrweg am großen Schloßberg hinunter abgezogen, ein Theil den Burgweg hinabmarschiert und ein Theil im inneren Hof noch eine kleine Weile stehen blieben, aber dann in großer Eil den Burgweg auch abgezogen.

6 Minirer aber sind zur Anzündung der Minen zurückgeblieben um die verfertigten Minen nach und nach zu zünden, wodurch dem sog. dicken Turm, ferner dem weyland Herrn Churfürsten Carl höchstseligen Andenkens anno 1683 neuerbauten sog. Carlsturm das vordere Theil gegen die Stadt zu sogleich übern Haufen gefallen.

Der Krautturm, ingleichen der kleine Turm, Seltenlehr genannt, und das große Rondel am kleinen Garten nächst am dicken Turm sind, weil die Minen neben ausgeschlagen stehen blieben, wie auch die Mauer an der Pforte des Burgwegs durchschlagen worden.

Die übrigen Minen um den Brückenturm herum, 13 an der Zahl, sind vermutlich aus Mangel an Zeit oder Pulver ohngefüllt geblieben. Aber das Dach des Brückenthurms ist durch den vollen Brand des Ruprechtsbaus angezündet worden und samt den auf den Turm aufgehangenen 2 Schlaguhren herabgefallen.

Unruiniert geblieben sind, der Bibliotheksbau, der Krautturm mit seinem Dach, ferner der große steinerne Saal, sowie die daran stoßende sog. Kaißergemächer des Ott-Heinrichsbaus. Dagegen sind von den oberen Stockwerken des Ott-Heinrichsbaus, vom Apothekerturm, von dem Bau, worin der gläßerne oder sog. Rittersaal geweßen, vom Churfürstlichen Friedrichsbau mit dem Hofkapell, von dem englischen Bau, von dem italienisch gemalten Bau, vom Kaiser Ruprechtsbau, von dem Zeughaus und dem Glockenturm nächst daran nichts als Mauern und steinerne Giebel übrig blieben, die auch fast ruiniert sind.